Die gläserne Verwaltung

GRÜNSTADT. Satte 11,85 Millionen Euro soll der neue Ratssaal der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land kosten – etwa dreimal so viel wie bisher geplant. Das geht aus einem Konzept hervor, das Bürgermeister Reinhold Niederhöfer nach Informationen des Schorlekuriers noch unter Verschluss hält.

Eine Glaskuppel für die gläserne Verwaltung?

Eine Glaskuppel für die gläserne Verwaltung?

Nach den neuesten Plänen werden die Kosten wohl um das Doppelte steigen. Der Grund: Eine plötzliche Zusage des britischen Architekten Norman Foster, der eine vollständige Neugestaltung des obersten Stockwerkes, in dem sich der Ratssaal befindet, vornehmen will. Die Pläne sehen eine gläserne Kuppel vor, die einfach auf das Gebäude gesetzt wird. „Somit können wir die Stabilität auch ohne die störenden Pfeiler mitten im Raum gewährleisten“, so der Bürgermeister. Ein weiterer Aspekt ist die Energieeffizienz, da durch die große Glasfläche genug Tageslicht einfällt, um auf eine Beleuchtung des Saales verzichten zu können.

Auch die vorgelagerte Dachterrasse kann nun genutzt werden, da die Last einer Glaskuppel deutlich geringer ist als die schweren Wände mit einer aufwendigen Deckenkonstruktion, die eine Vergrößerung unmöglich macht. Für den Fall einer eventuellen Fusion mit der Verbandsgemeinde Hettenleidelheim und der Stadt Grünstadt zu einer neuen „Verbandsgemeinde Leiningerland“ werde Platz geschaffen für ein größeres Parlament.

Fast wäre das Projekt „Glaskuppel“ gescheitert. Nicht etwa aus finanziellen Gründen, was bei solch hohen Summen nicht verwunderlich wäre, sondern mit Rücksicht auf die Raucher im VG-Rat. Niederhöfer, selbst ein Freund des glimmenden Stängels, wollte nämlich nicht auf die Dachterrasse verzichten: für Raucherpausen während der Ratssitzungen. Norman Forster konnte die Bedenken des Bürgermeisters aus dem Weg räumen, denn sein Konzept beinhaltet auch Pläne, auf die Bedürfnisse der Raucher einzugehen.



Über eine Wendeltreppe ist es möglich, die Kuppel direkt vom Ratssaal aus zu besteigen und auf die neue, gläserne Dachterrasse zu gelangen. Von dort ergibt sich im Übrigen auch ein grandioser Ausblick auf die Bauprojekte der Verbandsgemeinde. „Ob Weinstraßenumgehung in Kirchheim oder das zukünftige Allwetterbad der VG Leiningerland – von dort oben siehst du alles“, sagte Niederhöfer erstaunt, nachdem er die ersten Computersimulationen sehen durfte.

Dass die gläserne Kuppel ein wenig an das Dach des Reichstages in Berlin erinnert, kommt nicht von ungefähr, denn Forster hat sie 1995 entworfen. „Als Wahrzeichen einer ,gläsernen Verwaltung’ könnte sie gerade auch in Grünstadt für frischen Wind sorgen“, heißt es im Vorwort des zirka 850-seitigen Konzepts.

Ob das Konzept aber angenommen wird, entscheidet der Verbandsgemeinderat. Problematisch ist momentan nur noch die Finanzierung des Projektes. Vermutlich werden die Bürger an den Kosten anteilmäßig beteiligt, wie es momentan beim Straßenausbau üblich ist. Wenn alles gut geht, thront die neue Kuppel schon Mitte 2016 auf dem Rathaus der Verbandsgemeinde.

Heute, 19 Uhr, Rathaus, soll das Konzept dem VG-Rat vorgestellt werden. Allerdings nicht öffentlich.

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